Die Eltern in der Raumschaft Heilbronn stellen dem achtjährigen Gymnasium (G8) in Baden-Württemberg ein schlechtes Zeugnis aus. Das ist das Ergebnis einer von Reinhold Gall MdL und Ingo Rust MdL durchgeführten Elternbefragung an den Gymnasien im Stadt- und Landkreis Heilbronn.
Von den über 300 Rückläufern gaben rund 85 Prozent an, mit G8 „eher unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“ zu sein. Ursächlich dafür ist vor allem die hohe Belastung der Kinder. So haben die meisten der Schüler zwischen 38 und 49 Stunden in der Woche mit der Schule zu tun – eingerechnet Unterricht, Hausaufgaben und Lernen. „Wenn ich das mit der der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in Deutschland vergleiche, dann bräuchte es wohl eine Schülergewerkschaft, die für die 35-Stunden-Woche an unseren Schulen kämpft“, so der Obersulmer Abgeordnete Reinhold Gall besorgt. Kinder und Jugendliche sollten ausreichend Zeit haben, Sport zu treiben, ein Instrument zu spielen, Freunde zu treffen oder sich ehrenamtlich zu engagieren, so der Vater von zwei Kindern. „Unsere Gesellschaft braucht Menschen, keine Maschinen.“
Als Konsequenz dieser Unzufriedenheit würden im Landkreis Heilbronn knapp 80 Prozent und in der Stadt Heilbronn sogar rund 90 Prozent ihr Kind lieber in ein neujähriges Gymnasium schicken. „Diese Zahlen sind eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung“, so Ingo Rust MdL. „Wenn Kultusminister Rau behauptet, in 85 von 100 Fällen funktioniere G8 problemlos, dann verschleiert er die Realität.“
Kritik übten die Abgeordneten auch daran, dass viele Rektoren sich weigerten, die Briefe an die Eltern weiterzugeben, möglicherweise aus Angst vor Repressalien seitens des Kultusministeriums. Dies sei umso bedauerlicher, da die Fragebogenaktion zum Ziel hatte, die Situation für die Schülerschaft zu verbessern.
Aufgrund der Ergebnisse der landsweit rund 10 000 zurück gesendeten Bögen und diverser Anhörungen zum Thema G8 fordern die beiden Abgeordneten drei Dinge: Erstens müssen die Bildungspläne entrümpelt und die Stofffülle reduziert werden. Zweitens sollte die Landesregierung den Wunsch der Eltern auf Wahlfreiheit respektieren und künftig Anträge von Schulen genehmigen, die parallel G8- und G9-Züge anbieten wollen. Drittens müssen künftige Reformen besser vorbereitet und von Anfang an eng mit den Betroffenen abgestimmt werden.
„Nicht gegen, sondern gemeinsam mit Eltern, Lehrern und Schülern lautet die Devise“, so die beiden Abgeordneten und laden in diesem Zusammenhang alle Betroffenen und Interessierten zur Veranstaltung „G8 / G9 – wie soll es weitergehen?“ ein. Die Tagung findet statt am 29. November von 10.15 bis 13 Uhr im Stuttgarter Landtag. Anmelden kann man sich per Email unter info@reinhold-gall.de oder telefonisch unter 07131 – 783630