
„Der Unterrichtsausfall ist vor allem an den Grundschulen unzumutbar,“ kritisieren die SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Gall und Rainer Hinderer den teils drastischen Ausfall von Schulstunden in der Region. Noch vor drei Wochen habe die amtierende Kultusministerin Susanne Eisenmann verkündet, die Lehrerversorgung sei gesichert. Nun zu Beginn des neuen Schuljahres werde man von der Realität eingeholt.
„Dem früheren Kultusminister Andreas Stoch war es unter seiner Verantwortung gelungen, die Pflichtstunden an den Schulen zu gewährleisten“, unterstrich Reinhold Gall. Die vorausschauende Lehrereinstellungspolitik der SPD habe noch vor einem Jahr dem gestiegenen Bedarf Rechnung getragen. Demgegenüber sei die Krankheitsreserve im Realschul- und Gymnasialbereich dieses Jahr bereits im Sommer aufgebraucht worden.
Überhaupt kein Verständnis habe Gall für die Passivität, die nun im Kultusministerium herrsche: „Die Unterrichtsversorgung sichert man in den Ferien, anstatt den ganzen Sommer über untätig zu sein und zu Schuljahresbeginn vor einem Scherbenhaufen zu stehen.“
Die auf den ersten Blick hohe Zahl von 6600 neu eingestellten Lehrkräften scheine löblich, unterm Strich ergebe sich aber nur ein Plus von nur 850 Lehrern. „Diese Zahl hat für die Schulen in der Region keinerlei Verbesserungen gebracht,“ kritisiert Gall. Denn tatsächlich müssten die ausgeschiedenen Ruheständler und steigende Schülerzahlen gegengerechnet werden, was man versäumt habe – die Kultusministerin agiere hier ohne Plan.
„Nun gilt es, konkrete Abhilfe zu schaffen. Erstens muss das Personal frühzeitig gebunden werden, die Lehrerinnen und Lehrer brauchen bereits im Frühjahr ihre Verträge, das würde die Planungssicherheit enorm erhöhen. Zweitens muss das Kultusministerium die Werbetrommel für das erfolgreiche Konzept der Monetarisierung von Lehrerwochenstunden im Ganztag rühren: Damit können mehr externe Experten in der Nachmittagsbetreuung eingesetzt werden, etwa aus dem Bereich der Musik, der Sportvereine, aber auch aus dem Handwerk,“ erklärte Rainer Hinderer.
Aus einem Gespräch zwischen dem leitenden Schulamtsdirektor Wolfgang Seibold und Rainer Hinderer ergab sich ein weiteres Problem: Es sei abzusehen, dass die Stellenverteilung zwischen den Schulamtsbezirken nicht ausreichend funktioniere. Während andere Bezirke versorgt seien, entspreche die Lehrerversorgung in der Region Heilbronn nicht dem Bedarf. Gewissheit ergebe sich aber erst, wenn die dazugehörige Statistik Mitte Oktober vorliege. Darüber hinaus müsse der Lehrerberuf insgesamt wieder attraktiver werden, um genügend Nachwuchs zu gewinnen.
Bild: Rainer Pfisterer