Mühlacker Tagblatt
Ulrike Stahlfeld, Erstellt: 19. September 2016, 00:00 Uhr
57 Gruppen mit gut 1700 Teilnehmern lassen Ortsgeschichte aufleben Feststimmung trotz Regen
Gute Laune trotz des schlechten Wetters: Mitglieder des SV Illingen bilden eine der zahlreichen Gruppen, die beim Festumzug durch die Straßen ziehen.
Trotz des nassen und kühlen Wetters haben am Sonntag Tausende Besucher den Festumzug anlässlich der 1250-Jahr-Feier in Illingen verfolgt. Zweieinhalb Stunden zogen die Gruppen und Wagen durch den Ort bis zum Schulhof, wo ausgiebig weitergefeiert wurde.
Illingen. „Wir müssen das Wetter nehmen, wie es ist.“ So wie Organisator Reimund Scheytt ließen sich auch die anderen Teilnehmer von den Regenschauern die Laune nicht verderben. „Alle sind mit Feuer und Flamme dabei“, stellte der Organisator wenige Minuten vor dem Start des Umzuges fest. Schon während der Aufstellung in der Wilhelmstraße hatten die Sänger vom MPC2000-Männerchor ihr erstes Lied angestimmt. Und auch der Schützinger Gesangverein „Frohsinn“ machte seinem Namen alle Ehre.
Genau 1785 Teilnehmer zählte der Umzug, der sich kurz nach 13 Uhr auf den Weg machte. Gleich vorneweg fuhr unter anderem die
Auf die Gesellschaft des gastgebenden Bürgermeisters, Illingens Schultes Harald Eiberger, mussten die Ehrengäste verzichten. Eiberger war gemäß dem Umzugsmotto „Illingen im Wandel der Zeit“ in das Kostüm Napoleons geschlüpft, seine Frau wurde kurzerhand zu Josefine. Das Paar mit seinen Kindern teilte sich die Kutsche mit einem weiteren illustren Zeitgenossen, mit keinem Geringeren als König Friedrich von Württemberg (Rainer Speidel).
Auch im weiteren Verlauf der 57 Gruppen und Wagen gab es immer wieder historische Bezüge, die zurückgingen bis zur Gründung Illingens durch Illo. Michael Bethäuser aus der Illinger Kämmerei spielte den Ortsgründer, während weitere Rathaus-Kolleginnen römischen Wein ausschenkten. Die Gemeinderäte repräsentierten einen Ratstisch anno 1750. Eine humorvolle Episode aus Illingens Geschichte brachten die Mitglieder vom Obst- und Gartenbauverein mit ihrer Strohbrücke auf den Festwagen. Die Stadtkapelle Maulbronn hatte ebenso wie die Feuerwehr aus Thonhausen abgesagt, dafür war der Spielmannszug von Ilingen/Saar dabei. Musikalisch begleitet von rund zehn Kapellen und Musikgruppen ging es von der Wilhelmstraße aus über die Stahlbaustraße, Bahnhofstraße und Mühlackerstraße bis zum Schulhof.
In der Stahlbaustraße säumten die Bewohner des benachbarten Seniorenheims St. Clara die Straße. In der Wilhelmstraße hatten es sich etliche Anwohner in ihren Vorgärten gemütlich gemacht und feierten schon, bevor der bunte Zug vorbeikam. „I love Illingen“ stand auf dem T-Shirt von Andreas Schwarz, das der gebürtige Illinger nach Jahrzehnten im Kleiderschrank wieder ausgegraben hatte.
Dass der Umzug zu Beginn nur schleppend vorankam, machte den Wartenden nichts aus: „No müssa mir halt no a Fläschle holen.“
Organisatoren und Besucher sind gleichermaßen begeistert
Fast alle Illinger Vereine waren mit von der Partie und sei es, wie das Team Evolution. Die Mitglieder waren als Helfer an den Abschrankungen wichtig. Der Verein stellte 21 Streckenposten, drei weitere kamen vom Bauhof.
Pünktlich zu Umzugsbeginn hatte es zwar aufgehört zu regnen. Doch während der Veranstaltung tröpfelte es immer wieder. In den Regenpausen wurde der Regenschirm einfach umgedreht, um die Bonbons, die von den Festwagen regneten, besser auffangen zu können. „Es war gigantisch, in der Bahnhofstraße standen die Menschen in Viererreihen“, war Organisator Reimund Scheytt am Ende mehr als zufrieden. Und auch der Bürgermeister zeigte sich berührt: „Ich bin stolz und glücklich auf das, was meine Illinger und die Freunde aus dem Umland auf die Beine gestellt haben.“ Und das Urteil der Besucher? „War super!“ „War oifach schee!