Film zeigt jenseits pädagogischer Trends, was Erzieher und Eltern wissen sollten
„Ich seh` die Kinder wie sie sind“, antwortet die Erzieherin Lisette Siek-Wattel kurz und knapp auf die Frage, was das besondere an ihrer Arbeit sei.
Gelungene Veranstaltung - zufriedene Gesichter
(v.l.) Thomas Knapp, Doris Möller-Espe (Deutscher Kinderschutzbund), Christine Müh (Kommunales Kino), Lisette Siek-Wattel und Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler
Die Worte hätte sie allerdings auch gar nicht gebraucht. Wie respekt- und liebevoll sie mit ihren kleinen Schützlingen umgeht, davon konnten sich am 31. März 110 Erzieherinnen und Erzieher im ausverkauften Pforzheimer „Kommunalen Kino“ auf Einladung von Thomas Knapp und der Pforzheimer Ortsgruppe des Deutschen Kinderschutzbundes selbst ein Bild davon machen.
„Wir hätten heute Abend 200 Besucher im Kino untergebracht“, zeigen sich Thomas Knapp und Doris Möller-Espe vom Deutschen Kinderschutzbund Pforzheim von der Resonanz, die die Einladung der beiden Kooperationspartner fand, sichtlich überrascht.
Die Regisseurin des Films „Lisette und ihre Kinder“, Sigrid Klausmann-Sittler, hat die Stuttgarter Erzieherin Lisette ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Ihr Dokumentarfilm bringt erstaunlich klar auf den Punkt, um was es bei der Erziehung von Kindern eigentlich geht: Kinder in die Lage zu versetzten sich selbst zu helfen.
Die drei Kinder der Sittlers waren allesamt bei Lisette im Kindergarten. 15 Jahre ist das nun schon her, doch der Kontakt hielt, und als Lisettes letztes Berufsjahr nahte, stellte Sigrid Klausmann-Sittler zusammen mit ihrem Mann Walter Sittler als Co-Produzenten den rund 75-minütigen Dokumentarfilm auf die Beine.
Die Protagonistin des Films fühlte sich geehrt und stimmte dem Projekt zu – allerdings nur unter einer Bedingung: Die Dreharbeiten durften die Kinder und Lisettes Arbeit nicht stören. Also blieb die Regisseurin draußen und ihr Kameramann sorgte alleine für die Bilder. „Ich habe ständig Material gesichtet und mit meinem Kameramann besprochen, was wir noch brauchen“, so Sigrid Klausmann-Sittler auf die Frage, wie sich unter solchen Bedingungen überhaupt ein Film drehen lässt.
Und noch etwas ist besonders am Film: Die bildungspolitische Dimension durchzieht den ganzen Film. So lehnt Lisette beispielsweise in der anschließenden Diskussion die Grundschulempfehlung ab und fordert die Politik unmissverständlich dazu auf, endlich für ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern zu sorgen. Allesamt übrigens Forderungen der SPD-Landtagsfraktion. Die Regisseurin pflichtet ihr bei: „Was hilft es uns als Gesellschaft, wenn die Kinder allesamt kleine Einsteins sind, aber mit anderen Menschen und deren Bedürfnissen nicht zurecht kommen?“. „Die Kinder sind bei mir alle willkommen – egal wo sie herkommen“, sagt Lisette die dieses Motto auch wirklich lebt zum Abschluss der Diskussion mit den anwesenden Erziehern aus Pforzheim und dem Enzkreis. „Wer Kinder mag, wird diesen Film lieben“, bringt es Thomas Knapp zum Abschluss auf den Punkt.
Timo Steinhilper