„Mieten Sie einen Landtagsabgeordneten!“ bot die SPD-Landtagsfraktion anlässlich des Tags der offenen Tür im Landtag Anfang Juni an und Peter-Michael Posch, Vorsitzender des Werkstattrates des Therapeutikums Heilbronn griff sofort zu. „Zur Mitarbeit in einer unserer Werkstätten“ buchte er den Obersulmer SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Gall, der als Betreuungsabgeordneter auch für Heilbronn zuständig ist, und diese Anfrage gerne annahm.
Bevor es an die Werkbank ging, machte sich der SPD-Politiker bei einer Führung durch das Therapeutikum am Standort in Heilbronn-Sontheim ein Bild von der Einrichtung, die in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes eine der ältesten und größten komplexen Reha-Einrichtungen für psychisch kranke Menschen ist.
Geschäftsführerin Martina Wieland präsentierte stolz den fast fertigen Neubau des Bildungsgebäudes, das nun direkt gegenüber dem Hauptgebäude liegt: „Wenn hier erst alles in Betrieb ist, haben wir unsere Werkstätten und Bildungseinrichtungen an einem Standort konzentriert. Das ist für Mitarbeiter und Beschäftigte eine enorme Erleichterung.“ Eduard Hoch, Leiter des Berufsbildungsbereichs, ergänzt: „Hier bereiten wir unsere Beschäftigten auf ihre Arbeit in den Werkstätten vor und qualifizieren sie für eine eventuelle Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt.“
Sehr beeindruckt zeigte sich Reinhold Gall von der Vielfalt der Arbeits- und Therapiemöglichkeiten und vom hohen Stellenwert, den die Qualifizierung einnimmt: „Ich finde es klasse, dass man hier nicht den Glauben an die Menschen verliert, auch wenn sie gehandicapt sind. Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit und Bildung.“ Gall lobte auch die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft. Es sei wichtig für das Selbstwertgefühl der Beschäftigten, dass sie Dinge herstellten, die tatsächlich ihre Verwendung in der Industrie finden und dass sie dafür auch entlohnt würden.
Peter-Michael Posch, Vorsitzender der Beschäftigtenvertretung brachte zwei Probleme zum Ausdruck: „Werkstatträte haben deutlich weniger Kompetenzen als Betriebs- und Personalräte.“ Auch mit der Verkehrssituation beim Therapeutikum ist der Werkstattrat unzufrieden: „Wenn das Bildungszentrum erst fertig ist, müssen die Beschäftigten häufig die Straße zwischen Hauptgebäude und Bildungszentrum überqueren. Und das in einer Tempo-50-Zone.“ Viele der Mitarbeiter seien aufgrund ihrer Behinderung motorisch verlangsamt und würden deswegen länger zum Queren brauchen.
SPD-Stadträtin Tanja Sagasser, die als Referentin von Reinhold Gall MdL ebenfalls beim Besuch dabei war, sagte zu, dieses Problem im Bauausschuss einzubringen und bei der Verwaltung auf eine rasche Lösung zu drängen.
Beim anschließenden Praktikum in der Abteilung Feinwerktechnik konnte der gelernte Fernmeldehandwerker Reinhold Gall seine technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und baute verschiedene Stecker zusammen, die später in Autos und Elektrogeräten verwendet werden. „Hut ab vor der Leistung der Beschäftigten“, kommentierte der Abgeordnete die Tatsache, dass die von ihm produzierte Stückzahl den Durchschnitt der Mitarbeiter knapp verfehlte.
„Wir sind zufrieden mit ihm, man merkt, dass ihm die praktische Arbeit nicht fremd ist“, lobte Jürgen Güttler, Leiter der Feinwerktechnik und überreicht Reinhold Gall zum Abschluss einen symbolischen Scheck mit dem Tageslohn von 5,24 Euro.