Reinhold Gall bei der Kundgebung auf dme Kiliansplatz Bei einer Kundgebung der Gewerkschaft Verdi und der sich im Streik befindenden Redakteurinnen und Redakteuren der Heilbronner Stimme hat Reinhold Gall seine Solidarität mit dem Anliegen der Streikenden übermittelt.
Einen guten und fundierten Journalismus gebe es nur mit Journalistinnen und Journalisten, die angemessen bezahlt werden, zeigt sich Reinhold Gall überzeugt und sagte wörtlich:
"Nit olles, wo's an Wert hat, muss au an Preis hom, singt der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros. Als Lebensweisheit ist das eine durchaus respektable Einstellung, betrachtet man die Situation im Zeitungs- und Verlagswesen, dann trifft diese Aussage definitiv nicht zu.
Qualitativ hochwertiger Journalismus hat selbstverständlich seinen Preis! Das ist eine Binsenweisheit, die dieser Tage jedoch nicht oft genug wiederholt werden kann."
Weiter sagte Reinhold Gall auf dem Heilbronner Kiliansplatz:
"Gerechter Lohn für gute Arbeit" hat der DGB vor wenigen Jahren als Motto zum 1. Mai gewählt, heute sagen Sie als Vertreterinnen und Vertreter der schreibenden Zunft: "Gerechter Lohn für eine gute Zeitung."
Und hier möchte ich Sie als Abgeordneter eines Landtagswahlkreises in der Raumschaft Heilbronn ausdrücklich unterstützen und Ihnen meine persönliche Solidarität und die meiner Partei und meiner Landtagskollegen übermitteln.
Dabei geht es keinesfalls darum, dass wir uns bei Ihnen anbiedern wollen, unsere Unterstützung ist aufrichtig und ohne Hintergedanken. Eins ist klar: Zwischen Journalisten und Politikern besteht aus eine professionelle Distanz - und das aus gutem Grund. Erst diese Distanz macht einen unabhängigen und objektiven Journalismus überhaupt möglich.
Als Politiker mag man sich manchmal über die Presse ärgern - es wird Sie nicht überraschen, dass auch ich das schon getan habe... Dennoch wissen wir alle und sind mit Ihnen einig: Guter Journalismus ist nicht bequem – aber er ist unverzichtbar. Ohne eine freie, unabhängige und kritische Presse ist unsere Demokratie nicht vorstellbar.
An anderen Ländern - ich denke da aktuell an Länder in Afrika oder Asien - kritisieren wir, dass es keine oder nur eingeschränkte Pressfreiheit gibt. In Deutschland ist Pressefreiheit ein hohes Gut, das vom Grundgesetz geschützt wird. Dieses Gut sollten wir schätzen und darauf achten, dass es nicht untergraben wird. Zur Pressefreiheit gehört neben Errungenschaften wie Quellenschutz nämlich auch, dass Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit haben, ausreichend Recherche zu betreiben, den Dingen gründlich auf den Grund zu gehen, kritisch zu sein und dies auch belegen zu können. Nur so können sie ihrer Aufgabe nachzukommen, einem unabhängigen Journalismus, der in der Öffentlichkeit eine hohe Wertschätzung genießt und gerne auch mal als "Vierte Gewalt" bezeichnet wird.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss ein Journalist, muss eine Journalistin eine vernünftige wirtschaftliche Grundlage haben. Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid hat vorgegangenen Freitag zu Ihren Stuttgarter Kolleginnen und Kollegen gesprochen und hat dabei ein Beispiel zitiert, dass all jene, die an Qualitätsjournalismus interessiert sind, aufschrecken lassen sollte:
Ende Juni hat ein Journalist unter den Namen viajero einen Text auf jetzt.de veröffentlicht. Er spiegelt die Situation, in der sich insbesondere Berufsanfänger und junge Kolleginnen und Kollegen befinden, besonders gut wieder. Auch ich will ein paar Sätze daraus zitieren:
„In unserer Lokalredaktion arbeiten vier sehr gute Redakteure, zwei davon haben nur eine halbe Stelle. Die Sekretärinnen und die Korrektoren wurden eingespart. Die Redakteure kommen kaum noch zum Schreiben, weil sie mit den Aufgaben der wegrationalisierten Sekretärinnen beschäftigt sind.“
Und weiter im Text dann: „Ich bin einer von wenigen Freien, die Tariflohn bekommen. Das heisst ich bekam für eine Sonderseite über das Glücksspiel und die Spielsucht mit 30 Stunden kritischer Recherche etwas mehr als 100 Euro. Die anonymen Anrufe und wütenden Leserbriefe der Spielhallenbetreiber gab es gratis dazu...“.
Das, meine Damen und Herren, sollte nicht Realität sein in einem Land, das stolz ist, auf seine freie und unabhängige Presse. Lohnkürzungen in bestehenden Tarifverträgen und wirklich absurde Gehaltskürzungen von 25 Prozent für Berufseinsteiger sind da nicht viel besser.
Deswegen ist es gut, dass Sie Ihren Unmut öffentlich machen, auf die Straße gehen und Ihre Stimme erheben. Dafür, dass es weiterhin eine Grundlage für guten Journalismus gibt.
Denn unsere Demokratie braucht guten und kritischen Journalismus. Ein dieser braucht gute und kritische Journalisten. Wer gute Leute haben will, muss sie auch gut bezahlen. Das gilt in den Betriebshallen genau so wie in den Redaktionsstuben.
Wer sich dafür einsetzt, verdient unsere Solidarität. Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft und Durchhaltevermögen! Und am Ende ein Ergebnis in Ihrem Sinne.
(es gilt das gesprochene Wort)