SPD Illingen / Schützingen

 

Novellierung der Landesbauordnung

Veröffentlicht in Landespolitik


Quelle: photocase.com / baki

Seit 14 Jahren ist die Landesbauordnung für Baden-Württemberg im Wesentlichen unverändert in Kraft. Sie betrifft uns nicht nur, wenn wir selbst an-, neu- oder umbauen. Jeder Kommunalpolitiker kennt Diskussionen um Abstandsflächen, Gebäudehöhen, Dachneigungen und die erforderliche Anzahl von Stellplätzen. Bauvorhaben und der Streit darum sind nach Fragen des Ausländerrechtes die zweithäufigste Ursache für das Einreichen einer Petition beim Landtag. Höchste Zeit also, dass man das Gesetzeswerk vereinfacht und den Entwicklungen der letzten Jahre anpasst.

„An einer markanten Stelle ein Zeichen setzen, dass faktisch und wirklich entbürokratisiert wird.“ Diesem Anspruch, den Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) in der Plenardebatte vom 08.10.2009 formuliert, wird der von der Landesregierung vorgelegte Gesetzentwurf nicht immer gerecht. Zwar gibt es einige Punkte, die tatsächlich zu sinnvollen Vereinfachungen führen. An anderen Stellen jedoch verkompliziert die Novelle die bisherigen Abläufe und schleift Standards und Rechte zugunsten eines vermeintlichen Bürokratieabbaus.

Was soll geändert werden?

Wesentliche Punkte des Gesetzentwurfs sind die Vereinfachung des Abstandsflächenrechtes, die Aufnahme eines Brandschutzkonzeptes, die Entrümpelung der Regeln z.B. für Aufenthaltsräume, die Erweiterung des Katalogs der verfahrensfreien Vorhaben und die Einführung einer Genehmigungspflicht für Solaranlagen ab einer gewissen Größe. Ebenso sieht die Novelle vor, neben dem herkömmlichen Baugenehmigungs- und dem Kenntnisgabeverfahren das „vereinfachte Genehmigungsverfahren“ als dritten Weg einzuführen, die Nachbarbeteiligung auf nicht direkt angrenzende Grundstücke zu erweitern und durch das Verkürzen von Fristen das baurechtliche Verfahren weiter zu straffen.

Die SPD-Landtagsfraktion wird das parlamentarische Verfahren nutzen, um Änderungsanträge zu stellen. Unsere Verbesserungsvorschläge sind übrigens häufig deckungsgleich mit den Positionen von Verbänden wie Städte- und Gemeindetag.

Positionen der SPD-Landtagsfraktion

Wir lehnen eine generelle Verkürzung der Genehmigungsfrist von acht auf vier Wochen ab. Auch der Gemeindetag befürchtet, dass dadurch die Beteiligung kommunaler Gremien deutlich erschwert wird. Auch sind Gemeinden, die nicht selbst Baurechtsbehörde sind, nicht in allen Fällen in der Lage, eine verkürzte Frist einzuhalten.

Die geplante Verdopplung der Benachrichtigungsfrist von Bauanträgen für Anlieger auf vier Wochen (statt bisher zwei) finden wir falsch. Die heute gültige Praxis führt nach Aussagen des Städtetags zu keinerlei Problemen. Eine Verdopplung der Frist würde Genehmigungsverfahren unnötig verlängern und zudem dem Leitbild einer modernen, auf die Bedürfnisse der Bürger ausgerichteten Verwaltung widersprechen. Die formale Ausweitung des Kreises der anzuhörenden Nachbarn halten wir für unnötig, weil Gemeinden bereits heute alle eingehenden Stellungnahmen berücksichtigten können.

Den Vorschlag der Landesregierung, das Aufstellen von Werbetafeln in Gewerbe-, Industrie- und sonstigen Sondergebieten an der Stätte der Leistung zukünftig bis zu einer Größe von zehn Metern ohne Genehmigung zu erlauben, halten wir für falsch. Solche Anlagen können den städtebaulichen Charakter eines Gebietes erheblich beeinträchtigen und sollen daher genehmigungspflichtig bleiben.

Auch erneuern wir im Rahmen der Novellierung der Landesbauordnung unsere Forderung, den Einbau von Rauchwarnmeldern in neue Wohnungen und die Nachrüstung von Bestandsbauten bis Ende 2015 gesetzlich vorzuschreiben. Diese Vorgabe ist bereits in den Landesbauordnungen zahlreicher anderer Bundesländer vorhanden und seit langem eine der Hauptforderungen des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg gegenüber der Landesregierung. Über 600 Menschern sterben jedes Jahr in Deutschland bei Wohnungsbränden, mehr als 6000 werden schwer verletzt. Viele von ihnen könnten noch leben, wenn sie ein Rauchmelder rechtzeitig gewarnt hätte.

Die Einführung des „vereinfachten Genehmigungsverfahrens“ wollen wir zeitlich befristen und rechtzeitig vor Ablauf der Frist evaluieren, da der Nutzen eines zusätzlichen Verfahrens in der Fachwelt umstritten ist.

Schlussendlich beantragen wir, die Genehmigungspflicht für Antennen und Sendemasten wieder einzuführen. Dies gibt den Kommunen die Möglichkeit, die Verteilung solcher Anlagen im Stadtgebiet besser zu steuern und sorgt für mehr Transparenz bei den Bürgern.

Der Gesetzentwurf der Landesregierung ist im Internet einsehbar. Wenn das Gesetz verabschiedet ist, informieren wir euch in der DEMO über die Änderungen, die am Ende tatsächlich beschlossen wurden.

 

Homepage Reinhold Gall MdL

Katja Mast Unsere Frau in Berlin

 

Jetzt Mitglied werden

 

Shariff

 

WebsoziInfo-News

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de