Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Gall besuchte am gestrigen Mittwoch die Oedheimer Großbaustelle an der Heuchlinger Straße und informierte sich beim Betreiber der Seniorenwohnanlage Schönberg in Oedheim über das Projekt. Sichtlich beeindruckt zeigte sich Gall von dem Leistungsangebot der Schönberg Pflege- und Seniorendienste. Neben 75 stationären Plätzen bietet der Betreiber 12 Plätze in der Tagespflege, 8 barrierefreie Wohneinheiten zur Miete und ein breites Dienstleistungsangebot - vom Hausmeisterdienst bis zum hauseigenem Friseur.
Besonders interessiert zeigte sich Gall aber an der geplanten Senioren-WG. Hier sollen bis zu zwölf Menschen gemeinsam wohnen, leben und den Alltag gemeinsam meistern. Ausreichend Privatsphäre ist durch eigene Zimmer mit Bad und WC gewährleistet. „Auch die 68er kommen in die Jahre“, schmunzelte Gall und kündigt an, sich eine solche Wohnform fürs Alter „durchaus vorstellen zu können“.
Im Gespräch mit dem Geschäftsführer der Schönberg Pflege- und Seniorendienste, Jan Griese, kam Gall schnell auf die aktuellen Problemfelder in der Pflege zu sprechen. So sei der Mangel an qualifizierten Fachkräften offensichtlich. Bis zu 400.000 Vollzeitstellen würden bundesweit in den kommenden zehn Jahren zusätzlich benötigt werden. Griese versicherte auf Nachfrage Galls, dass man selbstverständlich ausbilden werde und hierüber auch Fachkräfte für die Zukunft gewinnen wolle. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei es laut Griese aber auch wichtig, dass die realen Kosten für die Ausbildung in den Pflegesätzen und Vergütungsvereinbarungen berücksichtigt werden. Auch müsse die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtert werden. „Wir brauchen die Fachkräfte jetzt – nicht erst in drei Jahren“. Letztlich müsse das gesamte Image der Pflegeberufe aufgewertet werden, so Griese. Die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 EUR/Stunde in der Pflege bewerteten Gall und Griese einvernehmlich als ersten Schritt in die richtige Richtung. Zufrieden nahm Gall zur Kenntnis, dass die Schönberg Seniorendienste planen, auch in den unteren Lohngruppen über dem Mindestlohn zu zahlen. Griese: „Wir wollen keine Dumping-Löhne. Bei uns kann eine gute Fachkraft deutlich über Tarif verdienen. Die Verantwortung, die unsere Mitarbeiter tragen, muss sich auch im Gehalt wiederspiegeln“.
Von der Landespolitik wünschte sich Griese dann auch mehr Gestaltungsfreiheit für die Träger von Senioreneinrichtungen. Vieles sei – wie beispielsweise die Erweiterung der Fachkraftquote oder die Verpflichtung zum ausschließlichen Bau von Einzelzimmern – gut gemeint, würde in der Realtität aber unglaubliche Kosten für Betreiber, Bewohner und deren Angehörige nach sich ziehen. Wer mehr Fachkräfte verpflichtend ins Gesetz schreibe, müsse auch sagen, wo diese herkommen sollen.