Langenbrettach - ein schönes Örtchen im Landkreis Heilbronn (Quelle: www.langenbrettach.de) Eigentlich hätte Reinhold Gall heute Abend bei der Verabschiedung von Bürgermeister Tilmann Schmidt ein Grußwort halten sollen. Besonders wichtig wäre dies dem Abgeordneten gewesen, weil der bisherige Bürgermeister von Langenbrettach der neue Bürgermeister seines Heimatortes Obersulm ist.
Leider ist es Reinhold Gall aufgrund eines überraschenden Krankenhausaufenthaltes nun nicht möglich, die Veranstaltung heute Abend zu besuchen. Der Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic wird nun die Grüße des Ministers überbringen, für alle Interessierten gibt es hier das geplante Grußwort zum Nachlesen.
"Wenn man sich auf eine Verabschiedungsfeier vorbereitet, kommt einem sofort der im Jahr 1946 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Hermann Hesse in den Sinn, der mit seinem Gedicht „Stufen“ wohl einige der meist zitierten Verse der deutschen Literatur geschaffen hat. Ein Gedicht, das von Lebensabschnitten handelt, vom Drang des Menschen nach Veränderung und von der Notwendigkeit, sich zu veränder. Vom Abschiednehmen, aber auch vom Neuanfang.
Deswegen passt das Gedicht so gut zum heutigen Abend, an dem ich mir erlaube, auch eine kleine Vorschau auf das neue Amt des scheidenden Langenbrettacher Bürgermeisters zu halten, weil ich bei der seiner Einsetzung urlaubsbedingt leider nicht anwesend sein kann.
Lieber Tillmann Schmidt, die Stufen, die Sie auf Ihrem Weg, der Sie nun nach Obersulm führt, erklimmen müssen, bestehen aus etwa 16 Kilometern Entfernung zwischen den beiden Gemeinden, aus rund 10.350 Menschen mehr, für die Sie Verantwortung tragen werden, und aus sechs statt bisher zwei Teilorten.
Sie haben Anfang Mai die Bürgermeisterwahlen in meiner schönen Heimatgemeinde souverän im ersten Wahlgang gewonnen und ich habe den Eindruck, die Obersulmerinnen und Obersulmer freuen sich auf Sie. Und auch Sie und Ihre Familie können sich auf Obersulm freuen. Sie übernehmen ein gut bestelltes Feld, eine lebendige Gemeinde mit einem regen Vereinsleben, eine Kommune, die sich in den vergangenen Jahren dank der schönen Umgebung, der guten Verkehrsanbindung, der hochwertigen Infrastruktur und der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten als attraktiver Wohnort etabliert hat. Dies alles gilt es zu bewahren und weiter zu entwickeln. Sie werden in den nächsten Jahren gemeinsam mit denen, die sich aktiv in das Leben in Obersulm einbringen, eigene Ideen einbringen und Akzente setzen. Gerne biete ich Ihnen hierbei meine Unterstützung an.
Was in Obersulm Neubeginn bedeutet, heißt in Langenbrettach Abschiednehmen. Sie verlassen die Gemeinde, die Sie zwölf Jahre lang mitgestalten durften, in der Sie wichtige Erfahrungen in der Kommunalverwaltung gesammelt haben und die Sie gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft auf einen guten Weg gebracht haben.
Die Bürgerinnen und Bürger waren zufrieden mit Ihnen und manch einer wird Sie nur ungern ziehen lassen. Ich bin mir jedoch sicher, dass jeder Verständnis dafür hat, dass man als junger Verwaltungschef in einer kleinen Gemeinde nach Möglichkeiten der Weiterentwicklung sucht. Das ist ein ganz normaler und auch wichtiger Prozess, der für Langenbrettach nicht zum Nachteil sein wird. Denn hier schließt sich erneut der Kreis, den Hermann Hesse in seinem Stufen-Gedicht beschreibt: auch in Langebrettach ist der Abschied auch ein Neubeginn und ich bin fest davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger am 7. August bei der Neuwahl des Bürgermeisters eine gute Wahl treffen werden.
Lassen Sie mich zum Ende den Teil des Gedichts zitieren, der mir am passendsten scheint und mit dem ich nicht nur Ihnen, lieber Herr Schmidt, sondern auch den beiden Gemeinden Obersulm und Langenbrettach für die Zukunft alles Gute wünschen will:
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Ich bin mir sicher, dass Sie den Zauber des Aufbruchs nutzen werden und wünsche Ihnen für Ihre neue Wirkungsstätte gutes Gelingen!"