SPD Illingen / Schützingen

 

100 Jahre Naturfreundehaus Steinknickle

Veröffentlicht in Wahlkreis


Altes Logo der Naturfreunde (Quelle: Wikipedia, Peter Wiegel)

Vor 100 Jahren eröffnete im Wald bei Wüstenrot das Naturfreundehaus Steinknickle seine Pforten. Damit war es eines der ersten Naturfreundehäuser in Deutschland. Reinhold Gall nutzte die Feierlichkeiten zum Jubiläum um in einer Festrede an wichtige Punkte aus der Geschichte der Naturfreunde zu erinnern. Natürlich ausgeschmückt mit persönlichen Erinnerungen des ganz in der Nähe in Obersulm- Sülzbach aufgewachsenen Innenministers.

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00 Jahre Naturfreundehaus Steinknickle erzählen auch die Geschichte
  • von 100 Jahren Naturfreunde in der Raumschaft Heilbronn
  • von 100 Jahren Naherholung und Naturerfahrung für alle
  • on 100 Jahren Kameradschaft und Gemeinsinn
  • und von 100 Jahre Engagement für internationale Solidarität, für Frieden und für eine gerechte Gesellschaft
Das alles sind gute Gründe, um an einem so schönen Sonntag wie heute in den Wüstenroter Wald zu kommen. Verbindung SPD-Naturfreunde Sie wissen, die deutsche Sozialdemokratie wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Das bringt unter anderem mit sich, dass ich bei überproportional vielen Veranstaltungen etwas aus der Geschichte der SPD erzähle. Deswegen ist es für mich eine schöne Abwechslung, heute einmal über die Wurzeln der Naturfreundebewegung zu sprechen. Zumal es in der Geschichte unserer Organisationen viele Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte gibt. Nicht wenige Naturfreunde sind Sozialdemokraten und viele von uns sind Mitglied bei den Naturfreunden. Vor fast 120 Jahren Jahren begann die Geschichte der Naturfreunde, die im September 1895 vom Sozialisten Georg Schmiedl in Wien gegründet wurden. Heute kann man mächtig stolz darauf sein, dass sich über eine halbe Million Naturfreunde in 48 Ländern zu dieser Bewegung bekennen. Damit sind die Naturfreunde die größte Nicht-Regierungs-Organisation der Welt. Geschichte Naturfreunde 1905 gründeten 42 Menschen in München die erste Naturfreundegruppe Deutschlands. Die Idee, das Leben in Einklang mit der Natur zu gestalten und es dadurch - gerade für die Arbeiterklasse - lebenswerter zu machen, wurde überall im Land begeistert aufgenommen. Bereits 1913, in dem Jahr, in dem auch das Steincknickle gebaut wurde, hatten die Naturfreunde in Deutschland rund 23. 000 Mitglieder, die in fast 300 Ortsgruppen organisiert waren. Auch in unserer Raumschaft gab es zu dieser Zeit bereits organisierte Naturfreunde. Die Ortsgruppe Heilbronn wurde im Jahr 1911 gegründet. Das Wandern als wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens war für die Naturfreunde viel mehr als Bewegung. Es war Auseinandersetzung mit der Natur und den besuchten Landschaften. Es war die Chance, mit Gleichgesinnten über Probleme in Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft zu diskutieren. Damit unterschieden sich die Naturfreunde deutlich von bürgerlichen Wandergruppen wie z.B. den Wandervögeln. Dafür steht auch das Logo der Naturfreunde, das sich zwar über die Jahrzehnte verändert hat, im Kern aber gleich geblieben ist: der Handschlag mit den drei Alpenrosen symbolisiert die Zugehörigkeit der Naturfreunde zur Arbeiterbewegung. Die Verwurzelung in der Arbeiterklasse und die politische Ausrichtung des Verbandes, die Einmischung in die Gesellschafts- und Arbeitswelt prägen die Geschichte der Naturfreunde. Bereits in den ersten Jahren erkannten die Gründungsväter und –mütter, wie wichtig es gerade für einfache und mehr oder weniger mittellose Arbeiter und ihre Familien war, den Lasten des Alltags zumindest ab und zu entfliehen zu können. Aus diesem Bewusstsein heraus sind die Naturfreundehäuser entstanden, das erste im Jahr 1907 am Padasterjoch in den Stubaier Alpen. Naturfreundehäuser Das erste Naturfreundehaus in Deutschland wurde 1910 in Maschen zwischen Hamburg und der Lüneburger Heide eingeweiht, nur drei Jahre später öffnete das Steinknickle im Wüstenroter Wald seine Pforten, lediglich zwei Jahre nach der Gründung einer Naturfreunde-Ortsgruppe in Heilbronn. Mit dem Bau des Hauses, den die Naturfreunde dank handwerklich begabter Mitglieder in Eigenregie stemmten, traf man den Nerv der Zeit und die Bedürfnisse der Bevölkerung. Allein zur Eröffnung am 8. Juni 1913 kamen über 4000 Menschen. Seit dieser Zeit ist das Steinknickle Treffpunkt für Wanderer, Radfahrer und andere Freizeitsportler, Kommunikationsort für alle, die sich für Politik, Zeitgeschehen und das gesellschaftliche Leben interessieren. Es ist ein Lernort für schulische und außerschulische Bildungsaktivitäten und es ist ein Platz, der bei vielen Menschen in unserer Raumschaft schöne Erinnerungen hervorruft. Geschichte der Naturfreunde Mit dem ersten Weltkrieg endete die erste große Aufbauphase der Naturfreunde. Auch eure Mitglieder mussten in den Krieg ziehen, die Organisation hatte viele Verluste hinzunehmen. Dies hinderte die Naturfreunde nicht - ich denke, es bestärkte sie eher - sich deutlich gegen den Krieg zu positionieren und in ihren Ortsgruppen Kinder und Jugendliche zu versorgen, die unter dem Krieg litten. Allein in Nürnberg wurden fast 2000 Jungen und Mädchen versorgt. Vielen von ihnen wurde so das Leben gerettet. Diesen Taten sollte auch heute noch unser aller Respekt gelten. Die Weimarer Republik lies die Naturfreunde wieder erstarken. Anfang der 1930er Jahre gab es in Deutschland 60 000 Mitglieder in über 800 Ortsgruppen und rund 220 Naturfreundehäuser. Unter der am Horizont aufziehenden Weltwirtschaftskrise wurden auch die politischen Aussagen der Naturfreunde radikaler. "Jedes Naturfreundehaus, das neu entsteht, ist ein Stück Klassenkampf" hieß es beispielsweise auf einer Hauptversammlung im Jahre 1928. Auch sozialpolitische Ziele wie der 8-Stunden-Tag und die soziale Absicherung der Arbeitnehmerschaft wurden formuliert und das Engagement der Naturfreunde in den Bereichen Kultur und Sport verstärkt. Der Nationalsozialismus war für die Naturfreunde eine ähnlich finstere und bittere Zeit wie für uns Sozialdemokraten. Zwar setzten die SPD-Abgeordneten im Reichstag bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz mit den mutigen und standhaften Worten des SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Otto Wels "Freiheit und Leben könnt ihr uns nehmen, aber die Ehre nicht" noch einmal ein mutiges Zeichen gegen die totale Machtübertragung auf die Nazis, doch wir kennen den Fortgang der Geschichte… Die SPD wurde verboten, ebenso die Naturfreunde. Euer Vermögen wurde enteignet, die Naturfreundehäuser beschlagnahmt. Auch das Steinknickle wurde zu einem Heim für die Hitler-Jugend. Eure Funktionäre und Mitglieder wurden verhaftet, viele Naturfreunde fanden in der NS-Zeit den Tod. Nach Ende des 2. Weltkrieges fanden die Naturfreunde relativ schnell mit Unterstützung der Naturfreunde-Internationale wieder zusammen. Schon 1949 fand in Elmstein der konstituierende 1. Bundeskongress statt. Die Arbeit stand in Kontinuität zur Vorkriegszeit: gemeinschaftliches Erleben der Natur, Unterstützung der Arbeitnehmerschaft, verbandliche Jugendarbeit und mehr und mehr politische Willensbildung. Das waren die Naturfreunde der Nachkriegszeit und sie sind es bis heute und ich bin fest davon überzeugt, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Heute Heute gibt es weltweit rund 1000 Naturfreundehäuser, rund 400 davon stehen in Deutschland. Naturfreundehäuser gibt es in vielen Ausführungen: Vom Selbstversorgerhaus bis zur komfortablen Herberge, als Familienferienstätte, Ferienheim, Stadtranderholungsheim, Wanderhütte, Bootshaus oder auch als reines Vereinsheime ohne Übernachtungsmöglichkeit. Die Häuser werden von Naturfreunden für Vereinszwecke genutzt, stehen aber allen Menschen offen. Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich einen Menschen ganz besonders hervorheben und die Gelegenheit nutzen, ihm für sein vielfältiges Engagement bei den Naturfreunden zu danken. Georg Dukiewicz In der Heilbronner Stimme konnte man es unlängst lesen: seit 49 Jahren hat Georg Dukiewicz Ämter bei den Naturfreunden innen. Er ist seit vielen, vielen Jahren Vorsitzender der Naturfreunde Heilbronn und Chef der Schallmaiengruppe, die wir nicht nur von den Kundgebungen am 1 Mai kennen. Und wie es sich für einen ordentlichen Naturfreund gehört, hat Georg Dukiewicz seine Liebe zur Natur und zu den Naturfreunden in einem – wie soll es anders sein – Naturfreundehaus entdeckt. Mit sechs Jahren machte er mit seinen Eltern und einem Teil seiner vielen Geschwistern erstmals Urlaub auf dem Steinknickle – einen Teil der Schlafkojen von damals existiert übrigens noch, ich denke, dass Sie die im Lauf des Nachmittags besichtigen könne. Seitdem ist Georg Dukiewicz unzählige Male in „sein“ Naturfreundehaus zurück gekehrt, ob zum Erholen und Feiern oder zum ehrenamtlichen Arbeitseinsatz. Dieses Engagement ist beispielhaft und verdient nicht nur innerhalb. Sondern auch außerhalb der Naturfreunde höchsten Respekt. Schluss Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde, werte Gäste, der Zukunftsforscher und Schriftsteller Robert Jungk hat bereits 1963 auf einem Kongress der Naturfreundejugend gesagt: "Es ist die Aufgabe dieser Generation, die Technik dem Menschen wieder Untertan zu machen. Sie muss den blinden Fortschritt in sehenden Fortschritt verwandeln. [...] Nur wenn wir weit über den Tag hinaus denken lernen, werden wir unsere Zukunft sichern. [...] Lasst uns der Tradition und der Erfahrung der Naturfreunde erinnern und danach handeln: Für Frieden, Menschenrechte und eine gesunde Natur. Wer vom Ziel nichts weiß, kann den Weg nicht finden." Diese Worte sind auch heute noch aktuell – leider muss man fast sagen. Aber das gesellschaftliche Bewusstsein für die zitierten Werte wächst – auch und gerade bei der jungen Generation. Deswegen lohnt es sich, weiterhin dafür einzutreten. Ihnen und uns allen noch einen schönen, sonnigen Nachmittag! gehalten am 07.07.2013, es gilt das gesprochene Wort
 

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