Bürgermeister Gert Hager diskutiert mit SPD-Seniorinnen und Senioren der AG 60 - Plus
 
Veröffentlicht in Arbeitsgemeinschaften
Bürgermeister Gert Hager diskutiert mit SPD-Seniorinnen und Senioren der AG 60 - Plus
Im Enzkreis gibt es zur Zeit 3,5 % Arbeitslose, in Pforzheim sind es 8,5 %. 75 % der Pforzheimer Arbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Vor etwa 20 Jahren noch konnte, wer von der Hauptschule kam, ungelernt sofort Geld verdienen - ohne eine finanziell karge und anstrengende Lehrzeit. Die Gold- und Schmuckindustrie in ihrer damaligen Form gibt es nicht mehr - einer der Gründe für die relativ hohe Arbeitslosigkeit in der Goldstadt. Die Kosten für Wohnung und Unterkunft der Hartz-IV-Empfänger haben sich nach Einführung des Gesetzes um 10 Mio. auf 21 Mio.€ für die Stadt Pforzheim erhöht, Geld das - wie dringend erforderlich - für Kindertagesstätten, Ganztagesschulen und Familienzentren ausgegeben werden könnte.
In den Fragen des Lernens und der Schule, überhaupt der Bildung eines jungen Menschen umzusteuern, ist viel zu spät, wenn dieser die Schule verlässt. Vom Kindergarten aufwärts muss gefördert werden, unten schon fängt es an, dass nicht wenige Kinder nicht mitkommen. In den Kindergärten und Kindertagesstätten kommen wir noch an die Eltern ran. Deswegen müssen wir dort auf die Eltern zugehen und versuchen, ein Gespräch zu beginnen. Kommen Familien raus aus der sozialen Isolierung, dann ist schon ein großer Teil der Bildungs- und Ausbildungsprobleme gelöst. Deshalb will Pforzheim sog. Familienzentren aufbauen. Dort soll der Dialog Eltern–Schule stattfinden.
Immer noch 15 % der Kinder sind Problemkinder. Die Antwort Pforzheims darauf sind "gebundene Ganztagesschulen". Gebunden heißt, wer dort hingeht, muss am Nachmittagsunterricht teilnehmen, es wird notfalls Druck auf die Eltern ausgeübt. Alle Schulen sollten "gebundene" Schulen sein, geht aber noch nicht, das Geld fehlt.
In der Diskussion kritisiert Gert Hager auf eine Frage eingehend Idee und Praxis des neuen Betreuungsgeldes der derzeitigen Familienministerin. Viele Familien nehmen das Geld und verwenden es für den normalen Lebensunterhalt. In solchen Familien ist das Geld sehr, sehr knapp. Man muss Verständnis haben. Wenn das Geld für Kindertagesstätten ausgegeben wird, kommt es auf jeden Fall an die richtige Stelle. Warum ist die Ausbildung durch eine Lehre heute so eine hohe Hürde, will ein Frager wissen. Die Anforderungen sind immer höher geworden, vor allem im theoretischen Bereich wird viel mehr verlangt. Kein Wunder, wenn häufig das Risiko einer dreijährigen Lehre gar nicht erst eingegangen wird. Eine weitere Frage: Wo ist das Geld geblieben, was die Stadt gespart hat, nachdem der Bund die Lasten für die arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger im Rahmen von Hartz IV übernommen hat ? Die großen Städte ziehen immer mehr Sozialfälle an. Die Familien suchen die Anonymität der Großstadt. Die eher ländlichen Gemeinden des Umlandes suchen die Problemfälle in die Großstadt abzuschieben, es werde Druck in dieser Richtung auf die Betroffenen ausgeübt, meint der Bürgermeister.
Wollen wir Strassen ausbauen oder in Menschen investieren ? So kommt er abschließend auf sein Kernthema zurück.
Hermann Baethge
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