Quelle: photocase.com / fmatte „Nun ist es amtlich: Die Neue Werkrealschule bedeutet das Aus vieler wohnortnaher Schulstandorte“, kommentieren die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Gall (Wahlkreis Neckarsulm) und Ingo Rust (Wahlkreis Eppingen) die Entscheidung des Regierungspräsidiums, welche Schulen im Stadt- und Landkreis Heilbronn Werkrealschule werden dürfen und welche nicht. Allein in der Raumschaft Heilbronn wurden fünf Anträge abgelehnt (Oedheim, Neudenau, Gemmingen, Nordheim, Frankenbach), bei vier Schulen ist die Entscheidung noch unklar bzw. wurde zurück gestellt. In einer Kleinen Anfrage verlangen Gall und Rust nun Auskunft von der Landesregierung, wie diese Entscheidungen begründet sind und welche Auswirkungen auf die Schulstruktur man zu erwarten habe.
„Insbesondere die Eltern kleiner Kinder sind verunsichert“, beschreiben die beiden Abgeordneten die Reaktionen, die sie zurzeit aus der Bevölkerung erhalten. „Mich rufen Eltern von Viertklässlern mit Hauptschulempfehlung an, die nicht wissen, ob es die nahe gelegene Hauptschule in zwei oder drei Jahren noch gibt und wo sie ihr Kind am besten anmelden sollen“, berichtet Reinhold Gall. Aber auch Eltern und Lehrer bestehender Hauptschulen, die gute Konzepte entwickelt haben und nun geschlossen werden sollen, sind seien empört und verunsichert. Das Konzept der Werkrealschule entpuppe sich als weitere Großbaustelle des Kultusministers, so die Abgeordneten weiter.
Die beiden Politiker zeigen sich daher solidarisch mit den Protesten der Eltern und Lehrer sowie der Schulträger. Ingo Rust betont im Hinblick auf die Proteste in Gemmingen, dass es gut sei, dass sich die Menschen vor Ort zur Wehr gegen die verkorkste Bildungspolitik der Landesregierung setzen und für ihre Schule kämpfen. Die Wolf-von-Gemmingen-Schule leiste derzeit mit ihrem vorbildlichen Ganztagesschulkonzept eine hervorragende Arbeit, die erhalten werden müsse. „Es ist ein Affront gegen die Bürgerinnen und Bürger, dass die Landesregierung mit voller Absicht Schulstandorte gefährdet.“ so Rust. „Es darf nicht sein, dass kleine Standorte ausbluten.“
Reinhold Gall fordert mit Blick auf die künftige Entwicklung der Schullandschaft mehr Mut zu neuen Konzepten und eine größere Autonomie der Schulträger. „Das Schulentwicklungsgutachten der Universität Konstanz im Auftrag der GEW hat berechnet, dass bis zum Jahr 2020 rund 60 Prozent der heute bestehenden Hauptschulen verschwinden werden, wenn die Konzepte der Landesregierung umgesetzt werden. Für den Landkreis Heilbronn, der heute noch über 29 Hauptschulen verfügt, wäre das das Aus für 15 Hauptschulen.“
Gall schlägt daher vor, dass Schulträger selbständig entscheiden können, ob sie zum Beispiel Schulen anbieten, in denen die Kinder länger gemeinsam lernen. Über 60 solcher Anträge habe das Kultusministerium in den letzten Jahren aus rein ideologischen Gründen abgelehnt. „Dabei zeigt das Gutachten der Uni Konstanz ganz deutlich: Gemeinsame Schulen bis zum mittleren Abschluss würden die Schulstruktur in der Fläche stabilisieren“, so Reinhold Gall, der sich auch als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion um das schulische Angebot im Landkreis Heilbronn sorgt.
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