Mehr Erzieher in die Kitas! (Bildquelle: www.photocase.com // markusspiske) Grußwort des Schirmherrn
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Phänomen, dass es in der Berufswelt und auch beim Ehrenamt Bereiche gibt, die als Männer- oder Frauen-Domäne gelten und hauptsächlich von einem Geschlecht nachgefragt und ausgeübt werden, ist allgemein bekannt. Jeder weiß, dass in unseren Kindergärten und Grundschulen fast ausschließlich Frauen arbeiten, während technische und naturwissenschaftliche Berufe mehrheitlich von Männern ausgeübt werden. Ich persönlich kenne das Phänomen von meinem Ehrenamt als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Heilbronn. Der Anteil der Frauen in unseren Freiwilligen Feuerwehren ist sehr gering, deswegen befassen wir uns seit einiger Zeit verstärkt mit der Fragestellung, wie wir mehr Frauen für dieses Ehrenamt begeistern können.
Das stark geschlechtsspezifisch geprägte Berufswahlverhalten junger Menschen ist zwar seit Jahren gesellschaftliches Thema, jedoch vor allem mit Blick auf Mädchen und junge Frauen, deren große Mehrheit sich immer noch zwischen wenigen Berufen entscheiden. So gibt es zum Beispiel den Girls‘ Day, der seit über zehn Jahren Schülerinnen einen Einblick in von Männern dominierte Berufe gewährt. Seit 2011 gibt es nun endlich auch einen bundesweiten Boys‘ Day, der Jungen für Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, interessieren soll. Um hier wirklich einen Bewusstseinswandel herbei zu führen, reichen die bisher bestehenden Angebote nicht aus. Deswegen finde ich es ausgesprochen gut, dass es eine Initiative gibt, die sich zum Ziel gesetzt hat, mehr junge Männer für erzieherische Berufe insbesondere in Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen zu begeistern.
Ich begrüße dies aus mehreren Gründen. Erstens ist es immer gut, wenn sich Kollegien, Arbeitsteams, Gruppen und Gremien nicht zu einseitig zusammen setzen. Unterschiedliche Menschen – in diesem Fall unterschiedliche Geschlechter – bringen unterschiedliche Erfahrungen, Prägungen und Sichtweisen mit ein, von denen sowohl Arbeitgeber als auch die Teams selbst profitieren. Zweitens ist der niedrige Männeranteil bei pädagogischen Berufen insbesondere vor dem Hintergrund ein Problem, dass Kinder gerade in den ersten Jahren dringend beide Geschlechter als Vorbilder brauchen, um Rollenbilder auch in der Interaktion zwischen Mann und Frau kennen zu lernen. Und drittens dürfen wir nicht den Fehler machen, uns zu sehr auf die Förderung von Mädchen zu konzentrieren, auch wenn es eine Tatsache ist, dass diese zu lange vernachlässigt bzw. einseitig betrieben wurde. Sowohl Mädchen als auch Jungen brauchen passende Angebote, eine Vielfalt in der Projektlandschaft ist deswegen außerordentlich zu begrüßen.
Dem Rotary-Club Heilbronn-Unterland wünsche ich als Initiator und Träger des Projektes „(W)Er-zieht-mit?!“ weiterhin viel Erfolg und möchte mich ausdrücklich für dieses sinnvolle und wichtige Engagement bedanken!
Mit freundlichen Grüßen
Reinhold Gall MdL
Innenminister des Landes Baden-Württemberg
Homepage des Vereins (W)Er-zieht-mit?!