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Reinhold Gall bei der Schlussfeier des Landesposaunentags in Ulm

Veröffentlicht in Veranstaltungen

Grußwort von Innenminister Reinhold Gall MdL

Es ist beeindruckend, wie viele Menschen sich heute auf dem Ulmer Münsterplatz versammelt haben, um an der Schlussfeier des 44. Landesposaunentags teilzunehmen. Ich möchte Sie alle herzlich grüßen, egal ob Mitwirkende, Verantwortliche oder einfach vom Posaunenspiel begeisterte Bürgerinnen und Bürger. Schön, dass sie alle gekommen sind!

Der alle zwei Jahre stattfindende Landesposaunentag ist ein Höhepunkt nicht nur im Jahresprogramm der Evangelischen Landeskirche und ihres Jugendwerks, sondern auch im ganz persönlichen Kalender der über 18.500 Menschen, die in den rund 700 Posaunenchören der evangelischen Kirche in Württemberg musizieren. Denn was gibt es Schöneres, als sein Hobby gemeinsam mit anderen auszuüben? Gerade die Musik und der Gesang entfalten ihre volle Wirkung oft erst dann, wenn sich viele Stimmen zu einer zusammenfinden und sich zu einem kraftvollen Ton entwickeln, bei dem man das Gefühl der Gemeinsamkeit geradezu spüren kann.

Überhaupt die Musik… Neben dem reinen Hörgenuss hat sie viele weitere schöne Effekte. Sie erzeugt Stimmung, sie macht fröhlich, sie hilft in Phasen der Trauer, sie überwindet Barrieren zwischen Menschen, sie bringt Kulturen einander näher. Der Schriftsteller Berthold Auerbach hat dies wunderbar auf den Punkt gebracht, als er einmal sagte: „Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden“.

Dass dies so ist, spüren wir auch heute, wenn vor dem Ulmer Münster, also vor dem höchsten Kirchturm der Welt, rund 8.000 Bläserinnen und Bläser den größten Posaunenchor der Welt bilden. Es freut mich, dass darunter so viele junge Menschen sind, die vom Musizieren im Chor nicht nur musikalisch profitieren, sondern beim Zusammensein mit anderen auch erfahren, wie schön es ist, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und ich habe durchaus den Eindruck, dass nach einigen Jahren der Flaute, in denen das Ehrenamt aus ganz unterschiedlichen Gründen mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hatte, das Klima für den Dienst an der Gesellschaft wieder besser geworden ist und wieder mehr Menschen bereit sind, sich für andere einzubringen.

Ende 2011 hat eine Studie von Emnid ergeben, dass 24 Prozent der über 14-Jährigen, also rund 17 Millionen Bundesbürger, bereit sind, für das Gemeinwohl aktiv zu werden – und das zusätzlich zu denen, die heute bereits aktiv sind. Interessant auch folgende Zahl - und jetzt bitte ich alle jungen Leute, die heute hier sind, gut zuzuhören: Besonders motiviert in Sachen Ehrenamt sind die Jüngeren. Von den unter 30-jährigen können sich sogar 36 Prozent ein Engagement vorstellen. Das finde ich prima, das möchte ich ausdrücklich anerkennen!

Solch gute Werte ergeben sich vor allem dann, wenn junge Menschen selbst positive Erfahrungen mit ehrenamtlicher Jugendarbeit gemacht haben. Hier ist das evangelische Jugendwerk Württemberg übrigens vorbildlich! Im Vorfeld des Posaunentages habe ich mir mal die Zahlen angeschaut und ich muss sagen, sie verdienen wirklich Respekt:

Das ejw leistet Jugendarbeit in über 1.400 Kirchengemeinden in Württemberg, dazu kommen die Angebote des CVJM und des Verbands Christlicher Pfadfinder, die ebenfalls unter dem Dach des ejw organisiert sind. In diesem Bereich arbeiten gut 300 hauptamtlich Beschäftigte sowie – und diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – rund 42.500 Ehrenamtliche, also quasi ein Drittel der Ulmer Bevölkerung. Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen, um auch im Namen der Landesregierung Baden-Württemberg einmal danke zu sagen!

In ganz Baden-Württemberg sind übrigens rund viereinhalb Millionen Menschen ehrenamtlich engagiert und werden dabei unter anderem vom Land gefördert. Sie trainieren den Handballnachwuchs und helfen Kindern bei den Hausaufgaben, sie leiten Chöre und Jungschargruppen, sie unterstützen Senioren beim Einkaufen und lesen Pflegebedürftigen aus der Tageszeitung vor, sie löschen Brände – so wie ich, wenn es meine Zeit zulässt – und stellen sich beim Roten Kreuz oder THW als Sanitäter oder Bademeister zu Verfügung, sie pflegen Schulgärten und sammeln Altpapier. Sie alle beweisen: Ehrenamt macht Spaß, Ehrenamt stiftet Sinn, Ehrenamt bringt einen weiter – kurz und gut: Ehrenamt ist das Herz und der Kitt unserer Gesellschaft!

Denjenigen unter Ihnen, die bereits ehrenamtlich engagiert sind, möchte ich bei dieser Arbeit weiterhin viel Freude, gutes Gelingen und auch die nötige Anerkennung wünschen!
Diejenigen unter Ihnen, die dies noch nicht sind, möchte ich ermuntern, sich umzuschauen, ob es nicht auch ein inhaltlich und zeitlich passendes Ehrenamt für Sie gibt. Ich bin mir sicher, es dauert nicht lange, bis Sie fündig werden.

Und nun zum Abschluss noch einmal herzlichen Dank an alle Beteiligten für diesen gelungenen 44. Posaunentag! Ich muss sagen, ich bin fast ein wenig neidisch, dass dieser immer in Ulm stattfindet. Lieber Iwo (Gönner), solltet ihr demnächst euren Münsterplatz sanieren, ich bin ganz sicher, dass beispielsweise die Stadt Heilbronn, aus deren Raumschaft ich komme, gerne bereit wäre diesem schönen Festival einmal einen Ausweichstandort zu bieten!

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

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