SPD Illingen / Schützingen

 

Neujahrsempfang der SPD Enzkreis und Pforzheim in Ispringen

Veröffentlicht in Veranstaltungen


T.Steinhilper, Th.Knapp, Doro Moritz, K.Mast, R.Fuhrmann

In ihrer Neujahrsansprache geht Doro Moritz, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, mit dem Zustand von Bildung und Schulen im Lande, insbesondere der Einführung der neuen Werkrealschule, hart ins Gericht.
(siehe auch Bericht bei Timo Steinhilper -->)

Sie stellt fest: Kleine Hauptschulen sind nicht mehr finanzierbar. Die Hauptschule überhaupt hat in der Bevölkerung und bei Handwerk und Industrie keine Akzeptanz mehr. Die ausbildenden Betriebe klagen über den schlechten Bildungsstand der Schulabgänger, zu viele Hauptschüler verlassen die Schule ohne Abschluss und sind auf diesem Wege die Arbeitslosen von morgen. Die Einführung der Werkrealschule soll nun alles zum Besseren wenden.

Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende

Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende

Doch hat zum Beispiel die Gemeinde Illingen nach intensiver Diskussion im Gemeinderat diese nicht eingeführt, weil dort eine gut funktionierende Grund-, Haupt- und Realschule besteht.
Um schlechte Bildungspolitik gut zu verkaufen gibt die Landesregierung für Hochglanz–Beilagen in den Tageszeitungen 2,5 Mio. Euro aus, wo es doch an allen Ecken und Enden an Geld fehlt, meint die Referentin.

Aber bevor wir Doro Moritz weiter zu Wort kommen lassen, ein paar Worte zur neuen Werkrealschule für solche Leser dieser Zeilen, welche nicht gerade schulpflichtige Kinder haben und sich natürlich nicht in allen Einzelheiten auskennen: Die Werkrealschule wird nach Willen der Landesregierung in Baden–Württemberg die neue Form der Hauptschule sein. Sie beginnt nach der Grundschule mit dem fünften Schuljahr und endet nach dem zehnten Schuljahr mit einer der mittleren Reife entsprechenden Abschlussprüfung. Sie soll also allen jungen Menschen ermöglichen, diesen Abschluss zu erlangen, wenn sie nicht die reguläre Realschule besuchen.

Ein interessiertes Publikum

Entscheidend ist das zehnte Schuljahr. Um aber den Sprung dorthin zu schaffen, erhalten Schülerinnen und Schüler nach dem siebten Schuljahr Zusatzunterricht in der 8. und 9. Klasse in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie in einem praktischen Fach Technik oder Hauswirtschaft. Das ist im Wesentlichen das Neue an der neuen Werkrealschule. Dadurch und durch gezielte Förderung der einzelnen Schüler sollen wesentlich mehr junge Menschen den Mittleren Bildungs-Abschluss erreichen. Es bleibt aber auch die Möglichkeit, nach dem neunten Schuljahr auszuscheiden mit dem Hauptschulabschluss wie bisher – ohne Zusatzunterricht.

Zurück zu Doro Moritz: Warum schießt die GEW gegen die Werkrealschule? Der Übergang wird betrieben, obwohl vom Kultusministerium noch kein ausgereiftes Konzept vorliegt und obwohl es immer noch keinen Bildungsplan dafür gibt. Die handwerkliche Umsetzung durch Ministerium und Behörden läuft einfach schlecht. Die “Werk-Orientierung geht zu Lasten von Deutsch und Mathematik. Gerade bei diesen Fächern aber hapert es nach Aussagen der ausbildenden Betriebe.

Beide Kreisvorsitzenden Timo Steinhilper und Ralf Fuhrmann

Die Kreisvorsitzenden Timo Steinhilper, Enzkreis und Ralf Fuhrmann, Pforzheim bedanken sich bei der Feuerwehrkapelle Pforzheim für die schmissige Begleitung

Da die vorhandenen Hauptschulen im ländlichen Raum häufig zu klein sind, müssen Zusammenschlüsse erfolgen. Das kann z. B. dazu führen, dass der Unterricht an mehreren Orten stattfinden wird, also zum Beispiel bei drei Gemeindestandorten die fünfte und sechste Klasse an jeweils zwei Orten und die Klassen sieben bis zehn werden nur am Hauptstandort angeboten. (Bekanntlich fanden um die Standorte zum Teil erbitterte Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gemeinden statt.)

Anstatt neuer Experimente fordert Doro Moritz eine Basisschule für alle Schülerinnen und Schüler von den Klassen eins bis zehn als Ganztagsschule. Die pädagogisch und menschlich fragwürdige Aussortierung der Schüler nach der Grundschule findet dann nicht mehr statt. Nach der zehnten Klasse erfolgt die Berufsausbildung durch Lehre oder Fachschule oder Übergang aufs Gymnasium mit den Klassen 11 bis 13 und Abitur.

Der Nachmittagsunterricht in der Ganztagesschule muss aber durch ausgebildete Lehrer und nicht nur durch Ehrenamtliche erfolgen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen wirklich mehr lernen und nicht nur später heim kommen.

Mit diesem Programm werden wir die bildungspolitische Auseinandersetzung der SPD mit ihren politischen Gegnern im Land in diesem Jahr führen, schließt Doro Moritz ihre Ausführungen.

Mit einem Beitrag in der GEW-Zeitung geht Doro Moritz näher auf das Problem ein. Auch ist in dieser Zeitschrift das Gutachten zu Schulstandorten bis 2025 von Bargel/Bargel zu finden.

Hermann Baethge und Karl-Heinz Gräßle

 

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