photocase.com, Fotograf: designritter Als ein ganz wichtiges Element der frühkindlichen Bildung betrachtet die SPD im Landtag von Baden-Württemberg die Sprachförderung. „Frühes Fördern der Sprachkompetenz ist wichtig für alle Kinder“, weiß der SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Neckarsulm, Reinhold Gall. „In Baden-Württemberg hat jedes fünfte Kind bei der Einschulung Sprachmängel, dagegen müssen wir etwas tun. Wenn ein Kind nicht richtig sprechen und verstehen kann, dann hat es in der Schule große Schwierigkeiten in allen Fächern.“ Die Sprachprobleme betreffen übrigens nicht nur Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte. Reinhold Gall: „Auch Kinder aus Familien, in denen die Muttersprache deutsch ist, haben immer öfter Mängel beim Sprechen und Verstehen.“
„Sprachförderung ist Landesaufgabe“, stellt Reinhold Gall deutlich fest. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die Landesregierung hier ihrer Verantwortung nicht im erforderlichen Maß nachkommt und die Finanzierung mal wieder an den Kommunen hängen bleibt – flankiert von einem Förderprogramm der Landesstiftung, das nicht ausreicht und zudem keine dauerhafte Finanzierungssicherheit bietet.“ Es sei unverständlich, dass es in einem reichen Bundesland wie Baden-Württemberg ein Glücksspiel sei, ob Kinder in den Genuss ausreichender Sprachförderung kommen oder nicht. „Das hängt zurzeit nämlich davon ab, ob die Stadt oder Gemeinde, in der das Kind lebt, Geld hat oder nicht. Und ob im Rathaus Entscheidungsträger sitzen, die sich der Wichtigkeit von Sprachförderung bewusst sind.“
Die SPD fordert die Landesregierung deswegen regelmäßig auf, bei der Sprachförderung nachzulegen. „Wir wollen die Sprachförderung von Beginn des Kindergartens an.“ Die Kindertageseinrichtungen sollten Förderangebote für Kinder vorhalten – unabhängig von ihrem Alter. Wichtig sei dabei auch, die bisher aufwändige und überaus bürokratische Antragsstellung bei der Landesstiftung zur Finanzierung deutlich zu reduzieren. „Es kann nicht sein, dass sich die Erzieherinnen für die Anträge so stark abmühen müssen, dass das letztlich ihrer Arbeit in den Kindergärten schadet“, erklärt Reinhold Gall.
Auch die Verschärfung der Richtlinien bei der Förderung stoßen bei der Landtags-SPD auf Kritik. Bisher konnten Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren in den Kindertageseinrichtungen gefördert werden. Ab dem kommenden Kindergartenjahr sind demgegenüber nur noch Kinder teilnahmeberechtigt, die vor dem 30. September 2004 geboren wurden und zugleich ein Jahr vor der Einschulung stehen. Die Kinder sind dann also in der Regel fünf Jahre alt, während die verpflichtende Sprachstandserhebung teilweise bis zu einem Jahr zurückliegt.
Gleichzeitig wird die Mindestgröße pro Fördergruppe unverändert bei sechs Kindern gelassen. Das bedeute, dass die Sprachförderung in vielen Kindergärten insbesondere im ländlichen Raum wegfalle, wenn nicht mehr genügend fünfjährige Kinder vorhanden seien, so Reinhold Gall. „Im Klartext heißt das: Die Landesregierung schließt viele Kinder aus der Sprachförderung aus.“ Hinzu komme, dass die Förderung ab fünf Jahren viel zu spät einsetze, kritisiert der SPD-Politiker.
Zum Zweiten wird die Obergrenze der Gruppen von derzeit maximal acht auf elf Kinder erhöht. „Hier wird nicht berücksichtigt, dass einzelne Kinder in einer größeren Gruppe viel schlechter individuell gefördert werden können“, sagt Gall. Darüber hinaus stelle die Landesstiftung pro Fördergruppe künftig nur noch 2.400 Euro anstatt 2.700 Euro zur Verfügung.
„Wir bleiben dran und werden die Landesregierung in Sachen Sprachförderung weiter unter Druck setzen“, verspricht Reinhold Gall. „Eltern und Kinder können sich auf die SPD im Landtag verlassen!“