Reinhold Gall - Im Ehrenamt bei der Feuerwehr aktiv (Bildquelle: Kreisfeuerwehrverband Heilbronn) Liebe Aktive des Heilbronner THWs,
liebe Gäste des Neujahrsempfangs!
Ich freue mich sehr, dass ich heute die Gelegenheit habe, ein Grußwort bei Ihrem Neujahrsempfang zu sprechen. Damit fängt das Jahr für mich gut an, denn wie viele von Ihnen wissen, unter Menschen in Uniform fühle ich mich wohl. Denn diese sind in der Regel engagiert, motiviert und offen für die Belange anderer. Das kenne ich von meinem Ehrenamt bei der Feuerwehr, von meinem engen Kontakt mit der Polizei als innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und natürlich von meinen regelmäßigen Besuchen beim THW und beim Roten Kreuz.
Erfreulich ist, dass Ihre Arbeit auch in breiten Teilen der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung erfährt. Das wissen Sie aus vielen Umfragen und ich hoffe, Sie machen diese Erfahrung auch bei all ihren Aktivitäten, sei es hier in der Stadt oder an anderen Orten ihres Wirkens.
Was noch verbesserungswürdig ist, ist die Wertschätzung oder zumindest das Verständnis für dieses Ehrenamt im beruflichen Umfeld. Wenngleich ich die Feststellung mache, dass dort, wo sich die Organisationen im Bereich der Gefahrenabwehr, des Katastrophen- und Zivilschutzes öffnen, ansprechbar sind, sich als Teil der örtlichen Gesellschaftsstruktur verstehen, auch die Akzeptanz in den Firmen und Betrieben steigt.
Die zurückliegenden Jahre waren immer wieder von Überlegungen geprägt, die Organisationsstruktur des THW zu verändern, bis hin zu einer kompletten Umorganisation. Solche Überlegungen habe ich stets abgelehnt.
Man kann nicht oft genug betonen, dass sich unsere bisherige Sicherheitsarchitektur in Deutschland im Bereich der Gefahrenabwehr, des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes nicht nur tausendfach bewährt hat, sondern auch weltweit Vorbildcharakter genießt – und das nicht ohne Grund.
Eigentlich dachte ich, dass an dieser Front jetzt mal Ruhe ist, und schon meldet sich am Jahresende, also quasi zum Abschluss des 60-jährigen Jubiläums, das das THW im Jahr 2010 feiern durfte, die EU-Kommission zu Wort und verkündet, ein europäisches Freiwilligenkorps aufstellen zu wollen, mit der Absicht dieses selbst auszubilden und dann im Katastrophenfall auch in den Einsatz führen zu wollen.
Ich frage mich, ob die zuständige Kommissarin eigentlich schon mal überlegt hat, wie und vor allem warum dieser Bereich bei uns in Deutschland so gut funktioniert.
Er funktioniert deshalb, weil es eine gute Verzahnung zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalaufgaben und den jeweiligen Verantwortungen gibt. Dazu kommen ein gutes Miteinander und das Ergänzen der örtlichen Gefahrenabwehr und -vorsorge mit den überörtlichen Notwendigkeiten oder Einsätzen des Katastrophenschutzes.
Ich frage mich, ob die EU-Kommission nicht bemerkt hat, dass gerade das THW im Bereich der humanitären Hilfe eine tragende Rolle im Bereich der Europäischen Union und sogar der Vereinten Nationen einnimmt?
Niemand sollte sich täuschen oder in Sicherheit wiegen lassen. Ich bin mir sicher, wenn sich die EU-Kommission mit dieser Absicht durchsetzt, dann wird dies auch bei uns eine erneute Diskussion im Bereich des THW auslösen und dann wird es auch um benötigte Finanzmittel gehen. Deshalb sind wir im nun anstehenden Konsultationsverfahren gefordert, uns zu Wort zu melden, denn unser bewährtes System sollten wir auf gar keinen Fall aufs Spiel setzen.
Und gerade im Jahr 2011, welches das europäische Jahr des Ehrenamtes werden soll, brauchen wir in Deutschland keine Nachhilfe, was ehrenamtliches Engagement betrifft! Über eine Million ehrenamtliche Feuerwehrangehörige, 80.000 Ehrenamtliche im THW oder die annähernd vier Millionen geleisteten Stunden im ehrenamtlichen Rettungsdienst sind Beleg dafür, was Ehrenamt zu leisten vermag. Für uns muss man dies nicht in Brüssel neu erfinden!
Unsere Zivilgesellschaft lebt maßgeblich vom Ehrenamt und ich habe erhebliche Zweifel, ob die Idee der EU-Kommission hierfür nützlich sein wird. Ja ich halte sie eher für schädlich.
Allein dies macht deutlich, dass das Jahr 2011 für uns ein spannendes und arbeitsreiches Jahr werden wird, weit über das Maß unserer ureigensten Aufgaben hinaus. Hinzukommen wird, dass meines Erachtens auch die Aussetzung der Wehrpflicht Auswirkungen für die Nachwuchswerbung der ehrenamtlich strukturierten Blaulichtorganisierten haben wird. Und auch die Mittelkürzung im Bundeshaushalt des THW wird uns vor Probleme stellen, auch wenn sie mit 2 Millionen geringer ausgefallen ist, als ursprünglich befürchtet.
Ich wünsche Ihnen jedoch, dass Sie auch diese Probleme meistern. Hoffen wollen wir, dass diese Art der Problemlagen nicht Ihre und unsere Arbeit zu sehr behindern und die Motivation derer, die sich im THW und in den anderen Blaulichtorganisationen engagieren, nicht allzu sehr beeinträchtigen wird!