SPD Illingen / Schützingen

 

Prof. Wilhelm Hager

Wilhelm Hager

14.10.2006 - Wilhelm Hager ist für immer von uns gegangen

Wilhelm Hager, ein Mensch – schöpferisch im wahrsten Sinne des Wortes und hochbegabt – dessen Berufung es war, die Wahrheit über diese Welt und das Leben in gestaltender Arbeit im Umgang mit Licht, Farben und Formen sichtbar zu machen, ist für immer von uns gegangen. Wir gedenken noch einmal dieser Persönlichkeit, Illinger Bürger seit Ende des Krieges und seit mehr als drei Jahrzehnten Mitglied der SPD. Fast alle Illinger kennen den Brunnen vor dem Rathaus, den er gestaltete, und das Fries der Stromberghalle mit den kraft- und lebensvollen Darstellungen. Der bildende Künstler, der Maler lebt vom Licht -- Licht , Sehen und Gestalten, diese Dreiheit wird in der Hand des Künstlers zur Einheit. Wilhelm Hager war in den letzten Jahren seines Lebens fast völlig erblindet Ein tragisches Schicksal, wenn gerade solch ein Mensch den „farbigen Abglanz“ in dem wir „das Leben haben“ nicht mehr wahrnehmen kann. Was, wenn das Licht nicht mehr zugänglich ist, wenn Krankheiten drücken und quälen, dann ist es gut, sich an das geschaffene Werk zu halten, das die Zeiten überdauern wird, die Erinnerung kann eine starke Kraft sein. 1951 erhielt er den „Kunstpreis der Jugend“ für Baden-Württemberg. "Bereits 1953“, so schrieb später der Kunstkritiker Ernst Schremmer, “ist ihm der Kopf Hermann Hesses gelungen, den er im Auftrag des Wüttembergischen Kultusministeriums . . . für die Deutsche Schillergesellschaft in seiner Dichterklause in Montagnola aufsuchte. Dieser bei aller fast naturalistischen Detailfreudigkeit künstlerisch konzentrierte Portraitkopf ist wie die meisten der Arbeiten Hagers gekennzeichnet durch die Ausgewogenheit zwischen äußerer und innerer `Ähnlichkeit'. Er vermittelt den nach innen gekehrten Einblick in das Wesen eines hochbetagten Dichters. Die fünf Güsse stehen - wie auch andere Bildnisköpfe aus der geistigen und politischen Prominenz - in bedeutenden staatlichen, kommunalen und privaten Sammlungen. Im selben Jahr porträtierte der Künstler auch Thomas Mann für das Schiller- Nationalmuseum in Marbach. Die weiteren Güsse sind Besitz von privaten Sammlungen, des Kultusministeriums sowie des Metropolitan Museum in New York. Die dritte Portraitplastik, die dem Künstler rasch Ansehen gebracht hat, war die des Bundespräsidenten Theodor Heuss im Jahr 1958 ". Einen Höhepunkt als Mensch und Künstler erlebte er Anfang der sechziger Jahre, als die Mailänder Galleria Vinciana vier und vierzig seiner „informellen“ Aquarelle - in einer spezifischen Ausprägung der Aquarelltechnik, für die sich Hager damals besonders engagierte - dort ausstellte, weiter in Venedig, Turin, Florenz und Neapel, mit Ausstrahlungen sogar nach Paris, London und New York. "Die Bilder erzählen vom Duft der Blumen und vom stillen Wachstum der Natur. Eine farbige Welt mit hauchzarten Übergängen, scheinbar sanft dahinfliessend", so berichtete damals hier eine regionale Tageszeitung. Aber auch der Mailänder Corriere de la Sera berichtete und kommentierte. Wilhelm Hager begründete schon früh in Illingen eine Familie, aus der eine Tochter und vier Söhne hervorgingen. Ende der neunziger Jahre bekam er von der Porzellan-Fachhochschule seiner Heimatstadt Karlovy Vary (Karlsbad, Tschechische Republik) den Titel Professor ehrenhalber verliehen. Der Tod seiner Frau im Jahre 1978 bedeutete für ihn einen schweren Einschnitt. Dennoch, mit zäher Ausdauer und leidenschaftlichem Willen entwickelte er sein Werk weiter. Mit seinem Tode hat Illingen einen bedeutenden Bürger, der Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ein profiliertes Mitglied verloren. Hermann Baethge

2005 - Prof. Wilhelm Hager, Maler und Bildhauer,  feierteam 24. Mai seinen 84. Geburtstag  in bewundernswerter geistiger Frische, obwohl er - und gerade an einem solchen Ehrentage fällt das schwer ins Gewicht -seit einer Reihe von Jahren fast völlig erblindet ist. Ein Mensch - schöpferisch im wahrsten Sinne des Wortes und hochbegabt - dessen Berufung es war, seine Wahrheit über diese Welt und das Leben in gestaltender Arbeit im Umgang mit Licht, Farben und Formen erkennbar zu machen, gerade dieser kann den "farbigen Abglanz", in dem "wir das Leben haben", nicht mehr wahrnehmen, ein tragisches Schicksal.

Wilhelm Hager wurde im Jahre 1921 in Karlsbad, in der tschechoslowakischen Republik, geboren. Dort wuchs er auf und erfuhr seine ersten für das Leben prägende Eindrücke, in der liberalen Atmosphäre des ersten tschechischen Staates unter seinem der Humanität verpflichteten Staatsgründers, Philosophen und ersten Präsidenten Tomas Masaryk. Mit Liebe und Hochachtung erzählt Hager davon und von seiner Mutter, die als Sozialdemokratin die Genossinnen und Genossen aufopfernd besuchte, um zu helfen und Not zu lindern. Daran sollte die heutige SPD lernen, die zu viel nur rede und zu wenig für die Menschen handelt, meint Wilhelm Hager. Als sog. Sudetendeutscher in die Wehrmacht unter Zwang eingezogen erlitt er in Russland eine schwere Kopfverletzung, an deren Folgen er bis heute trägt. Nach dem Krieg fand er in Illingen seine zweite Heimat, dort entwickelte er sein künstlerisches Lebenswerk.

Einen Höhepunkt als Mensch und Künstler erlebte er Anfang der sechziger Jahre, als die Mailänder Galleria Vinciana 44 seiner Aquarelle ausstellte, weiter in Venedig, Turin, Florenz und Neapel, mit Ausstrahlungen sogar nach Paris, London und New York. " Die Bilder erzählen vom Duft der Blumen und vom stillen Wachstum der Natur. Eine farbige Welt mit hauchzarten Übergängen, scheinbar sanft dahinfliesend", so berichtete damals hier eine regionale Tageszeitung. Aber auch der Mailänder Corriere de la Sera berichtete und kommentierte. Prof. Wilhelm Hager begründete in Illingen eine Familie, aus der eine Tochter und vier Söhne hervorgingen. Der Tod seiner Frau im Jahr 1979 bedeutete für Hager einen schweren Einschnitt, hebt er überzeugend mit besonderem Nachdruck hervor. Im Jahre 1973 trat er der SPD bei, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Ostpolitik Willy Brandts, die auch einen neuen friedlichen Anfang mit seiner Tschechischen Heimat möglich machte. Er verurteilt schärfstens das Gedankengut und das Wirken der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die er als schädlich für den Frieden der Völker und Europa einschätzt. Hier flammt seine ganze politische Leidenschaft auf.

Wir danken unserem Genossen, Freund und Mitbürger, der mit zäher Ausdauer und stiller Geduld sich zu einer großen Künstlerpersönlichkeit entwickelte.

 

Michael Ernst über Wilhelm Hager und die Informelle Kunst Künstler lassen sich historisch einordnen, ihre Kunst kann zu einem gewissen Grad wissenschaftlich erfasst werden. Ihre Werke lassen sich mit Worten meist so beschreiben, dass sie eindeutig identifizierbar sind. Jenseits dieser Kategorien gibt es den Künstler als autonome Persönlichkeit, den intellektuellen, reflexiven Anspruch an das eigene Werk, seine mehr oder weniger zielgerichtete Kreativität, sein emotionales oder sogar körperliches Engagement während des Schaffensprozesses. Wilhelm Hager hat mit sechzehn Jahren eine klassisch-akademische Ausbildung an der Kunsthochschule Weimar begonnen, in einem Alter also, indem das Nachvollziehen der Lehrinhalte sicherlich wesentlicher war, als das Hinterfragen der eigenen Intentionen. Dass Kunst von Können kommt, und dass Könnerschaft messbar sei, war ein Grundsatz der Lehre, dem auch Hager folgte.

 


Selbstbildnis

Ab Ende der fünfziger Jahre wandte sich Wilhelm Hager allerdings einer Kunstrichtung zu, die die bisherigen Bewertungskriterien außer Kraft zu setzen schien. Die gegenstandslose Malerei des Informell basierte nicht mehr auf Formelementen, die durch Begriffe wie „Kreis", „Quadrat", „Rechteck" beschrieben werden konnten. Im Gegensatz zur geometrischen Abstraktion zeichnete sich das Informell durch seinen mangelnden theoretischen Überbau aus. Versuche, informelle Werke kunstkritisch zu erfassen, geraten ins Schwimmen, weil die Bilder objektiv keine sachlich umgrenzbaren Worte hergeben; sie weisen keine beschreibbaren Elemente auf, die sie eindeutig identifizieren lassen. Die Bildfläche wird zum Aktionsfeld, die Bildkomposition tritt zugunsten einer gesteigerten Spontaneität in den Hintergrund.

 


Stefan Andres

Bei Hagers großformatigen mittels Honigspendern und Heißluftföhn gemalten Lackbildern wurde durch Geschwindigkeit ein Teil der Malkontrolle geopfert. Er überlistete sich durch das gesteigerte Maltempo absichtsvoll, um Zufälliges hervorzurufen und dadurch mit neuen malerischen Problemen konfrontiert zu werden. So wie bei den Musikimprovisationen im Jazz die Komposition durch den konstanten Dialog mit anderen Musikern entsteht, schafft der Maler ein Bild, indem er ihm einen eigenen Willen zur Formwerdung einräumt, es als Gegenüber ansieht. Durch den Prozess des Mit- und Gegeneinander scheint etwas zustande zu kommen, dass nicht allein vom Künstler beeinflusst worden ist. Dieses Anonyme wurde von Kandinsky, dem ersten abstrakten Maler, als „mit dem Ganzen in Verbindung kommen" umschrieben.

 


Hermann Hesse

Hagers Gespür für die Gleichzeitigkeit von Idee und Ausführung dürfte zwei Quellen gehabt haben. Seine eigenwillige Technik des Aquarellierens zwang ihn dazu ein Bild binnen zwei oder drei Minuten zu malen. Und die in den fünfziger Jahren entstandenen Bronzeköpfe von Thomas Mann, Hermann Hesse und Theodor Heuss wurden in eineinhalb Stunden fertig gestellt, da er den Zeitdruck dieser Persönlichkeiten respektierte.

 


Thomas Mann

Speziell beim Portraitieren kommt Hagers Arbeitsweise deutlich zum Vorschein; seine Modelle müssen sich bewegen, halten sie für längere Zeit still, gerät auch Hager aus seinem Schaffensfluss. So musste der Künstler immer einen Dialog mit dem zu Portraitierenden aufrechterhalten, um Lebendigkeit und möglichst viele Facetten des Gesichtsausdrucks widerspiegeln zu können.

 


Theodor Heuss

Vielleicht lässt sich Hagers Vorgehensweise mit der Arbeit eines Modefotografen vergleichen, der innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Aufnahmen eines sich bewegenden Modells macht. Während der Blick dem zu Portraitierenden folgt, setzen die Hände in diesem Fall das Gesehene zeitgleich in Ton um.

 


Der Bundespräsident Theodor Heuss und Wilhelm Hager

Die neben den expressiv-vegetativen Lackbildern 1998 in der Galerie Gerling, Bettingen/Eifel gezeigten Skulpturen aus Alusiel sind nicht nur hinsichtlich ihrer Form, sondern auch speziell hinsichtlich ihrer Machart einzigartig. Sie weisen nicht nur die „Nicht-Form" auf, die vielen Skulpturen des Informell gemeinsam ist, sondern sie flechten auch durch die gesteigerte Geschwindigkeit das Moment des Zufalls mit ein. Der Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist ein Styroporblock, aus dem in Windeseile mittels eines florettartigen heißen Drahtes eine Skulptur herausmodelliert wird. Auch hier werden, wie in der Malerei, die durch Geschwindigkeit eigens hervorgerufenen Problemstellungen sofort pariert - in diesem speziellen Fall sogar mit einem Florett

 


Illinger Rathausbrunnen

 

Die Jagdgöttin Diana von Guercino - Kopie von Wilhelm Hager - geschaffen 1953 das Original hängt im Ludwigsburger Schloss

 


Leda mit dem Schwan 1947

 


alte Mühle

 


Eifelhaus

 


informelle Malerei

 


informelle Malerei

 

 

Unsere Frau in Berlin: Katja Mast

 

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